Einsatzmöglichkeiten adulter Stammzellen
Der Einsatz körpereigener adulter Stammzellen ist ethisch und rechtlich unproblematisch. Die entnommenen Stammzellen gelten nach dem deutschen Recht als Arzneimittel. Da sie jedoch nur für den Eigengebrauch bestimmt sind sind sie ein Individualarzneimittel und benötigen nach dem Arzneimittelgesetz keine Zulassung für den therapeutischen Einsatz. Unabhängig davon, muss das Institut aber eine Herstellungserlaubnis von Seiten der Überwachungsbehörden einholen. Im XCell-Center ist sichergestellt, dass der Entnahme-, Aufreinigungs- und Injektionsprozess nach den Regeln der Good Manufacturing Practice, (GMP,- einem gültigen Grundsatz zum "üblichen Herstellungsstandard") durchgeführt wird, und ein größtmögliches Maß an Qualität und Sicherheit für den Patienten gewährleistet ist.
Seit einigen Jahren werden auch an Unikliniken Therapieversuche mit adulten Stammzellen aus dem Knochenmark durchgeführt. Das heißt, im Gegensatz zu den tierexperimentellen Studien mit embryonalen Stammzellen, befinden sich adulte Stammzellen teilweise bereits in der klinischen Erprobung. Als Beispiel ist der viel beachtete Erfolg des Düsseldorfer Herzspezialisten Prof. Dr. Bodo Strauer zu nennen. Er behandelte einen Patienten, der eine Reihe schwerer Herzinfarkte erlitten hatte und bei dem alle herkömmlichen Therapieverfahren keine Überlebenschancen mehr gewährleisten konnten, mit dessen eigenen Knochenmarksstammzellen. Neun Tage nach der Injektion der Stammzellen in das Infarktgebiet konnte der Patient die Intensivstation verlassen. Mittlerweile wurden in Düsseldorf bereits über 300 Herzpatienten mit diesem Verfahren behandelt - zumeist mit Erfolg. Auch die Behandlung im XCell-Center stützt sich inzwischen auf die Therapieerfahrungen von über 400 Patienten, die sowohl direkt im XCell-Center als auch in Kooperation mit anderen Universitäten und Forschungsinstituten gewonnen wurden (Stand: Oktober 2007). Bislang sind insbesondere die Ergebnisse bei der Behandlung von Diabetes mellitus und Schlaganfall sehr viel versprechend, erste Erfolge wurden aber auch nach der Behandlung von Patienten mit Parkinson, Alzheimer oder Multiple Sklerose beobachtet.
Heilung von Leukämie
Die Verwendung adulter Stammzellen ist kein völlig neuer Ansatz: Seit über 40 Jahren werden Stammzellen zur Therapie von Blutkrebs (Leukämie) eingesetzt. Hierbei handelt es sich normalerweise um eine allogene Knochenmarktransplantation, d. h. das Knochenmark stammt von geeigneten Spendern. Die darin enthaltenen blutbildenden Stammzellen siedeln sich beim Empfänger im Knochenmark an und produzieren dort frische Blutzellen. Das ursprüngliche Knochenmark und damit auch die Leukämiezellen des Patienten wurden zuvor über eine Chemotherapie zerstört. Problematisch ist hierbei die Abstoßungsreaktion der fremden Zellen, weshalb der Empfänger Medikamente einnehmen muss, die diese Reaktion unterdrücken. Interessant ist die relativ neue Erkenntnis, dass diese Abwehrreaktion sogar bis zu einem gewissen Grad erwünscht ist: Dadurch, dass sie das Immunsystem aktiviert, werden auch die Krebszellen effektiver vernichtet. Man spricht von einem anti-leukämischen Effekt, der hilft, die kranken Leukämiezellen zu vernichten. Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen ist der Einsatz von körperfremden Stammzellen bei Leukämie also eher wünschenswert.
Weitere Anwendungsmöglichkeiten in der Erforschung
Das Spektrum für den Einsatz adulter Stammzellen ist breit. So werden adulte Stammzellen unter anderem zum Wiederaufbau von Knorpel, zerstörten Gelenken, Haut oder Knochengewebe verwendet (Stichwort: Tissue Engineering). Jedoch mangelt es heute noch an Studie, die die vielfach beobachteten Erfolge systematisch an Menschen untersuchn und wissenschaftlich belegen. Erstmals zeigen zwei Studien, die in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden, dass die körpereigene Insulinproduktion bei Typ-1- und Typ-2-Diabetikern durch die Therapie mit adulten Stammzellen angeregt wird. Noch unklar ist dabei, ob neue Insulin produzierende Zellen gebildet oder noch vorhandene Zellen regeneriert werden. Das XCell-Center führt eigene klinische Studien durch, während es parallel Patienten mit verschiedenen Krankheiten mit körpereigenen adulten Stammzellen behandelt.
Intensiv erforscht wird auch der Bereich der neurologie Krankheiten: Der Einsatz adulter Stammzellen bietet potenziell neue Behandlungsstrategie für bislang unheilbare Erkrankungen wie Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose. Auch hier ist es das erklärte Ziel, die erkrankten Nervenzellen durch Stammzellen entweder zu ersetzen oder zu regenerieren, ein Ansatz, der besonders auch für Schlaganfall-Patienten interessant ist: In Tierversuchen konnten Forscher vom Leipziger Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie bereits Heilerfolge mit adulten Stammzellen nachweisen.
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