Interview mit Prof. Dr. med. Dr. h. c. Nils Haberland

Haberland

Prof. Dr. Nils Haberland war bis Ende September 2007 Chefarzt der Abteilung für Neurochirurgie und Neurotraumatologie der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Frankfurt am Main. Seit Oktober 2007 hat er eine international renommierte Position als Chairman des International Spine Center Cairo (ISCC) am Egypt Air Hospital in Kairo übernommen. Zusätzlich arbeitet er für das International Neuroscience Institute (INI) in Hannover. Die von ihm eingesetzten Stammzellkonzentrate werden in Kooperation mit dem XCell-Center nach deren patentiertem Verfahren aufbereitet.
Herr Dr. Haberland, als Neurochirurg arbeiteten Sie bisher hauptsächlich mithilfe hochpräziser, computergestützter Operationsverfahren.

Was hat Sie dazu bewogen adulte Stammzellen zu Therapiezwecken einzusetzen?

Mit der Hightech-Neurochirurgie sind wir heutzutage in der Lage viele Erkrankungen der Wirbelsäule und des Gehirns minimal invasiv zu operieren, mit exzellenten klinischen Resultaten. Bei Verletzungen und Schädigungen des Rückenmarks oder des Gehirns benötigen wir aber zusätzlich Verfahren der Regenerativen Medizin, um beispielsweise bei einem Querschnittsgelähmten das Rückenmark zu reparieren.

Bei welchen Erkrankungen haben Sie bisher adulte Stammzellen eingesetzt?
Diese moderne und neue Therapie haben wir in erster Linie bei inkompletten Querschnittssyndromen eingesetzt. Wir haben aber auch Erfahrungen mit Schlaganfall-Patienten und erste Erfahrungen mit Multiple-Sklerose-Patienten.

Wie sieht der Behandlungsablauf aus? Auf welchem Wege applizieren Sie die Stammzellen?
Die operativen Eingriffe sind minimal invasive Verfahren. Zunächst werden in Lokalanästhesie vom hinteren Beckenkamm ca. 200 ml Knochenmark gewonnen, aus welchem die Stammzellen in einem speziellen Labor isoliert werden. Die aufbereiteten Stammzellen werden dem Patienten dann entweder über eine Lumbalpunktion oder durch eine direkte Injektion in die geschädigte Region des zentralen Nervensystems appliziert.

Mit welchen Ergebnissen? Könnten Sie ein oder zwei Beispiele nennen?

Bei inkompletten Querschnittssyndromen - auch bei hochgradigen - sahen wir bereits drei Monate nach der Therapie deutliche klinische Verbesserungen hinsichtlich der Spastik, der Blasen-Mastdarmstörungen, der Sensibilität und der Motorik. Nicht immer bilden sich alle Ausfälle zurück. Man hat aber die Möglichkeit diese Therapie nach sechs Monaten oder einem Jahr zu wiederholen, um so weitere Fortschritte zu erzielen. Einen herausragenden Erfolg haben wir gleich bei dem ersten behandelten Patienten gesehen, einem vierzigjährigen Mann, der mit einer inkompletten traumatischen zervikalen Halbseitensymptomatik zu uns kam. Nach der Behandlung mit seinen aufbereiteten körpereigenen Stammzellen zeigte er eine vollständige Rückbildung der Symptomatik. Er arbeitet nun wieder voll als Geschäftsmann.

Ein weiterer Patient, ein 53-jähriger Mann mit einer hochgradigen, aber noch inkompletten zervikalen Querschnittssymptomatik, zeigt nach der Behandlung ebenfalls beachtliche Ergebnisse in Form einer wiedereinsetzenden Blasenfunktion und der teilweisen Rückbildung der sensiblen, motorischen Ausfälle und der Spastik.

Welche Risiken sehen Sie in der Anwendung von adulten Stammzellen?
Bisher sahen wir keine spezifischen Komplikationen hinsichtlich der adulten Stammzelltherapie, da wir die körpereigenen Stammzellen des Patienten nehmen. Die bekannten Risiken der embryonalen Stammzelltherapie bestehen hier nicht.

Was können Sie zur Wirkungsweise der Stammzelltherapie sagen?
Die Stammzelltherapie nutzt die Fähigkeit der Stammzellen sich in Abhängigkeit vom Applikationsort in verschiedene hochspezialisierte Gewebe zu entwickeln, wie beispielsweise Rückenmark und Gehirn, ähnlich dem Vorgang bei der embryonalen Entwicklung.
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