Von den Ärzten aufgegeben
Juli 16, 2008
Nelly van Iwaarden und ihre beiden Töchter Anneke und Francien haben sich nicht unterkriegen lassen und ihr Schicksal selbst in die Hand genommen.
Drei starke Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand genommen haben: Nelly van Iwaarden (75) und ihre beiden Töchter Anneke und Francien (55).
Anneke wurde vor 43 Jahren mit starken Hirnblutungen geboren. Diagnose: Cerebral Palsy oder Cerebralparese (CP). CP – das ist ein Hirnschlag, der zu Lähmungen der Arme und Beine, Krämpfen sowie zum Kontrollverlust über nahezu alle Muskeln führt. Mit fünf Jahren wurde Anneke von den holländischen Behörden in ein Behindertenheim gesteckt und verwahrt. Dreißig Jahre später flüchtete sie von dort. Zwanzig Kilometer im Rollstuhl zurück zu ihrer Familie. Die verkrampften Muskeln hatten den Rücken zu einem doppelten S verbogen, den linken Arm bizarr hinter dem Kopf fixiert, den Körper nach rechts vorn verdreht. Ellenbogenbeuge und Leisten waren wund und blutig offen. Der Speichel lief Anneke unkontrolliert aus dem Mund. Sie konnte sich im Stuhl nicht allein aufsetzen und im Bett nicht drehen. Sie nässte sich jede Nacht ein. Von den unglaublichen Schmerzen im geschundenen Körper ganz zu schweigen.
Schwester Francien und Mutter Nelly bauten mit dem Erbe des 1999 verstorbenen Vaters ein wunderschönes behindertengerechtes Haus und suchten verzweifelt nach Möglichkeiten, Anneke zu helfen. Die Ärzte hatten die junge Frau längst aufgegeben. Francien entdeckte in einer Zeitung einen Bericht über Stammzellen-Therapie im Kölner XCell-Center. Auch hier wollten die Spezialisten anfangs keine großen Hoffnungen machen. Aber nach eingehender Untersuchung entschloss man sich gemeinsam für die Injektion der körpereigenen adulten Stammzellen in den Rückenmarkkanal. Francien: „24 Stunden später lief kein Speichel mehr aus Annekes Mund.“ Und dann ging es Schlag auf Schlag: Der linke Arm löste sich. Sie konnte wieder aufrecht sitzen. Das Armgelenk öffnete sich. Die Beine ließen sich bewegen. Jeden Tag etwas mehr.
Heute nach der dritten Stammzellen-Behandlung lacht Anneke wieder und nimmt am Leben ihrer Familie teil. Sie sitzt allein und gerade in ihrem Rollstuhl, liest wieder (nachdem sie 17 Jahre nicht mehr gelesen hatte), schreibt und strickt. Sie kann sich im Bett allein umdrehen und mithilfe ihrer Schwester zur Toilette gehen. Sie kann nach der Stammzelltherapie sogar wieder eine aufrechte Körperhaltung einnehmen und ist zum ersten Mal in ihrem Leben in der Lage, zu stehen. Mehrmals am Tag trainiert sie stehend auf einer elektrischen Rüttelplatte ihre Beinmuskeln und mit Hanteln ihre Arme und Finger.
Francien: „Üben, üben und nochmals üben – heißt unsere Devise.“ Und Mutter Nelly fügt lächelnd hinzu: „Wir lassen uns nicht unterkriegen. Durch die Stammzelltherapie sind die Übungen erst möglich geworden und wir haben alle drei enorm an Lebensqualität zurückgewonnen.“


